Amazon Prime: So können Kunden bis zu 80 Euro zurückfordern

Amazon-Prime-Kunden, die seit der Preiserhöhung im Jahr 2022 höhere Beiträge gezahlt haben, ohne der Änderung ausdrücklich zugestimmt zu haben, könnten Geld zurückbekommen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen führt dazu eine Sammelklage gegen Amazon. Mehr als 143.000 Betroffene haben sich dem Verfahren bereits angeschlossen.

Sammelklage gegen Amazon wegen Prime-Preiserhöhung

Im September 2022 erhöhte Amazon die Preise für bestehende Prime-Mitgliedschaften. Nach Auffassung der Verbraucherzentrale NRW erfolgte die Anpassung bei betroffenen Bestandskunden ohne deren ausdrückliche Zustimmung.

Der Preis für eine monatliche Prime-Mitgliedschaft stieg damals von 7,99 Euro auf 8,99 Euro. Beim Jahresabo erhöhte sich der Betrag deutlich stärker – von 69 Euro auf 89,90 Euro.

Auch Nutzer von Prime Student waren betroffen. Hier stieg der monatliche Preis von 3,99 Euro auf 4,49 Euro. Bei jährlicher Zahlung erhöhte sich der Beitrag von 34 Euro auf 44,90 Euro.

Die Verbraucherzentrale NRW hält die damalige Preiserhöhung für rechtswidrig und reichte deshalb im Dezember 2025 eine Abhilfeklage gegen Amazon EU S. à r. l. ein. Das Verfahren läuft vor dem Oberlandesgericht Hamm unter dem Aktenzeichen I-13 VKl 1/25.

Mehr als 143.000 Verbraucher haben sich nach Angaben der Verbraucherzentrale bereits angeschlossen.

Verbraucherzentrale rät Betroffenen zur Anmeldung

Hendrik Franck, Leiter bei der Verbraucherzentrale NRW in Dinslaken, empfiehlt Betroffenen, ihre mögliche Teilnahme zeitnah zu prüfen.

„Wer von der damaligen Preiserhöhung betroffen ist, sollte jetzt nicht länger warten. Die Anmeldung zur Sammelklage ist kostenlos und schnell erledigt. Im Erfolgsfall können angemeldete Verbraucher von der Klage profitieren, ohne selbst vor Gericht ziehen zu müssen“, erklärt Franck.

Mit einem kostenlosen Klage-Check der Verbraucherzentrale können Prime-Kunden zunächst prüfen, ob sie die Voraussetzungen für eine Beteiligung erfüllen.

Was soll die Sammelklage gegen Amazon erreichen?

Ziel des Verfahrens ist es, eine Rückzahlung der nach Ansicht der Verbraucherzentrale zu viel gezahlten Prime-Beiträge zu erreichen.

„Ein Anbieter darf die Preise eines laufenden Abonnements wie Amazon Prime nur erhöhen, wenn eine wirksame Regelung im Vertrag das erlaubt oder die Kunden zustimmen“, erläutert Franck.

Sollte das Verfahren erfolgreich sein, könnten registrierte Verbraucher ihre entsprechenden Ansprüche geltend machen, ohne selbst eine individuelle Klage gegen Amazon führen zu müssen.

Welche Amazon-Prime-Kunden können teilnehmen?

Grundsätzlich kommt eine Teilnahme für Verbraucher infrage, die bereits vor der Preiserhöhung im September 2022 einen laufenden Prime- oder Prime-Student-Vertrag hatten und den erhöhten Beitrag mindestens einmal bezahlt haben.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Mitgliedschaft inzwischen beendet wurde.

„Es ist keine Voraussetzung, dass der Vertrag heute noch läuft“, betont Franck.

Die mögliche Rückzahlung hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Entscheidend ist unter anderem, wie lange der erhöhte Preis gezahlt wurde und ob die Abrechnung monatlich oder jährlich erfolgte.

Bis zu rund 80 Euro Rückzahlung möglich

Bei jährlicher Zahlweise können sich die möglichen Erstattungsansprüche derzeit auf etwa 80 Euro summieren. Der konkrete Betrag unterscheidet sich jedoch je nach Dauer der Zahlung und Tarif.

Für Verbraucher kann sich daher auch dann eine Prüfung lohnen, wenn die Prime-Mitgliedschaft inzwischen gekündigt wurde.

So können sich Betroffene der Sammelklage anschließen

Für die Teilnahme sind im Wesentlichen drei Schritte notwendig:

  1. Anspruch prüfen: Mit dem kostenlosen Online-Klage-Check der Verbraucherzentrale können Betroffene feststellen, ob ihr Prime-Vertrag grundsätzlich unter das Verfahren fällt.
  2. Im Klageregister anmelden: Wer die Voraussetzungen erfüllt, muss sich kostenlos in das Klageregister beim Bundesamt für Justiz (BfJ) eintragen.
  3. Verfahrensverlauf verfolgen: Nach der Registrierung müssen Verbraucher zunächst keine weiteren Schritte unternehmen. Über Entwicklungen im Verfahren informiert unter anderem der kostenlose News-Alert der Verbraucherzentrale.

Die Registrierung ist entscheidend, da Prime-Kunden nicht automatisch Teil des Verfahrens werden.

Anmeldung erfolgt nicht automatisch

„Wichtig: Die Klage läuft nicht automatisch für alle ehemaligen oder aktuellen Prime-Kunden“, sagt Franck.

Wer mögliche Ansprüche im Rahmen der Sammelklage geltend machen möchte, muss sich daher selbst beim Bundesamt für Justiz in das entsprechende Klageregister eintragen.

Die Anmeldung ist kostenlos. Bei einem erfolgreichen Ausgang könnten registrierte Verbraucher ihre Ansprüche anschließend im vorgesehenen Umsetzungsverfahren durchsetzen, ohne eine eigene Klage gegen Amazon führen zu müssen.

Prime-Kunden sollten ihre Ansprüche prüfen

Für frühere und aktuelle Amazon-Prime-Kunden, die seit September 2022 den erhöhten Preis bezahlt haben, kann eine Prüfung möglicher Erstattungsansprüche sinnvoll sein. Entscheidend sind der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses, die tatsächlich gezahlten Beiträge und die Registrierung für die Sammelklage. Bei jährlicher Zahlung können sich mögliche Rückforderungen derzeit auf rund 80 Euro belaufen.

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