WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich: Deschamps sieht Spanien in der Favoritenrolle

Vor dem mit Spannung erwarteten Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA richten sich die Blicke auf das Duell zweier europäischer Schwergewichte. Frankreich und Spanien treffen am Mittwoch aufeinander – ein Spiel, das nach Einschätzung beider Nationaltrainer zu den Höhepunkten des Turniers zählen könnte.

Junge Stars stehen vor dem größten Spiel ihrer Karriere

Am Tag vor dem Halbfinale standen mit Warren Zaïre-Emery und Lamine Yamal ausgerechnet die jüngsten Spieler ihrer jeweiligen Mannschaften im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Frankreichs Mittelfeldspieler Warren Zaïre-Emery, der bislang nur begrenzte Einsatzzeiten bei diesem Turnier erhalten hat, vertrat die Équipe Tricolore bei der Pressekonferenz in Dallas. Kurz darauf stellte sich Spaniens Offensivstar Lamine Yamal den Medien. Der Flügelspieler feierte am Montag seinen 19. Geburtstag und wurde entsprechend häufig mit Glückwünschen begrüßt.

Yamal erklärte, dass er sich als besonderes Geschenk eine Reise nach New York wünsche – jenem Ort, an dem am 19. Juni das WM-Finale ausgetragen wird. Für den jungen Spanier wäre eine Teilnahme am Endspiel der ideale Abschluss seines Geburtstags.

Psychologisches Vorgeplänkel vor dem Anpfiff

Bereits in den vergangenen Tagen hatte Yamal mit einer selbstbewussten Aussage für Aufmerksamkeit gesorgt. Auf Fragen zur Stärke der französischen Offensive mit Spielern wie Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé und Michael Olise hatte er erklärt, nicht Spanien müsse Frankreich fürchten, sondern umgekehrt. Schließlich seien die Spanier amtierende Europameister.

Zaïre-Emery wollte auf diese verbale Auseinandersetzung jedoch nicht eingehen.

„Das Spiel wird nicht in den Medien entschieden“

„Wir versuchen, uns auf uns selbst zu konzentrieren. Das Spiel wird nicht in den Medien gespielt“, sagte der 20-Jährige.

Solche Aussagen gehörten zum Fußball dazu, erklärte er. Letztlich müsse jedoch auf dem Platz die Antwort gegeben werden. Gleichzeitig stellte er klar: „Wir sind die französische Nationalmannschaft, wir haben vor niemandem Angst.“

Frankreich setzt auf eine neue Offensivstärke

Die jüngsten Duelle sprechen für Spanien. Frankreich verlor sowohl das EM-Halbfinale 2024 in München mit 1:2 als auch das Nations-League-Halbfinale 2025 in Stuttgart spektakulär mit 4:5.

Dennoch präsentiert sich die Mannschaft von Didier Deschamps inzwischen verändert. Der langjährige Nationaltrainer, der nach dem Turnier sein Amt niederlegen wird, setzt stärker auf offensive Qualität als in früheren Jahren. Mit Mbappé, Dembélé und Olise verfügt Frankreich über eine hochkarätige Angriffsreihe, ergänzt durch Spieler wie Désiré Doué und Bradley Barcola.

Zaïre-Emery sieht darin einen wichtigen Entwicklungsschritt.

„Das ist heute eine ganz andere Mannschaft, mit viel mehr Erfahrungen. Jedes Spiel bringt uns weiter. Wir sind bereit, Revanche zu nehmen“, sagte er.

Rassismus-Debatte überschattet die Vorbereitung

Neben sportlichen Themen spielte auch eine politische Kontroverse eine Rolle. Auslöser waren Äußerungen des früheren spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, der erklärt hatte, Frankreich verfüge über einen Kader von höchstem Niveau, jedoch „ohne Franzosen“.

Die Aussage wurde in Spanien und Frankreich breit als rassistisch kritisiert. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez reagierte öffentlich und betonte, Spanien gehöre allen Menschen, die das Land lieben und mitgestalten. Zudem schrieb er, im Halbfinale solle „der Bessere gewinnen und der Rassismus verlieren“.

Yamal und Zaïre-Emery setzen Zeichen für Vielfalt

Sowohl Yamal als auch Zaïre-Emery wurden auf die Debatte angesprochen. Beide plädierten für Zusammenhalt und Vielfalt.

„Der Fußball ist dazu da, Menschen zusammenzubringen, darüber sollten wir sprechen“, sagte Yamal, dessen familiäre Wurzeln in Marokko und Äquatorialguinea liegen.

Zaïre-Emery ergänzte: „Frankreich hat Spieler aus allen Horizonten, allen Rassen. Das macht uns aus. Wir sind alle sehr eng verbunden, alle gemeinsam. Das ist alles, was man sich merken muss.“

Deschamps: „Spanien ist der Favorit“

Auch Didier Deschamps äußerte sich ausführlich zum Gegner. Die früheren Niederlagen gegen Spanien seien für ihn kein entscheidender Maßstab mehr.

„Was vorbei ist, ist vorbei“, sagte der Weltmeister von 1998 und frühere Weltmeistertrainer. „Sie haben gewonnen. Bravo! Aber mich interessiert, was heute ist.“

Gleichzeitig lobte er die Leistungen der Spanier bei diesem Turnier. Das Auftaktremis gegen Kap Verde dürfe nicht überbewertet werden. Wichtiger sei, dass Spanien bis zum Viertelfinale gegen Belgien nahezu fehlerfrei aufgetreten sei.

Deschamps erwartet deshalb ein intensives und attraktives Spiel.

Auf die Frage nach der Favoritenrolle antwortete er mit einem Lächeln: „Spanien ist der Favorit? Ich will keinen Druck auf Luis ausüben, aber das bestätige ich.“

De la Fuente warnt vor Frankreich

Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente wollte daraus jedoch keine besondere Bedeutung ableiten.

„Angeblich der Favorit zu sein bedeutet nichts“, erklärte er.

Er sieht eine französische Mannschaft, die sich seit 2025 deutlich weiterentwickelt habe. Beide Teams verfügten über unterschiedliche Spielansätze. Ausschlaggebend werde sein, wer seine eigenen Stärken besser einbringen und die Schwächen des Gegners konsequenter nutzen könne.

Zum Abschluss griff de la Fuente auf ein historisches Zitat zurück. Mit Verweis auf Julius Caesar erinnerte er an den Gedanken, dass große Erfolge ohne Leiden nicht möglich seien.

Diese Botschaft soll auch für das Halbfinale gelten: Wer den Einzug ins WM-Finale schaffen will, muss bereit sein, schwierige Phasen zu überstehen. Das Duell zwischen Spanien und Frankreich verspricht daher nicht nur hochklassigen Fußball, sondern auch einen Kampf auf höchstem internationalem Niveau.

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